
Hospitation am Theater Trier – hier im Ballettbüro des Theaters
Im Studiengang „Kulturelle Bildung an Schulen“ bekommen wir einen breiteren Zugang zu allen Kunstfeldern und Bildungsfeldern als es bisher – zumindest bei mir- der Fall war. Und so sind wir im Modul 3 auch dazu angehalten, verschiedene Einblicke durch verschiedene Kulturinstitutionen zu gewinnen. Neben Hospitationen an der städtischen Musikschule und dem Rheinischen Landesmuseum in Trier bin ich heute mit Tanja Scafati, der Frau des Italienischen Ballettchoreografen Roberto Scafati, verabredet. Sie führt mich durch das Ballettbüro und durch die letzten Vorbereitungen zur Premiere des Trierer Balletts „La Stada/ Le Sacre“, einem Ballettabend von Maura Morales und Roberto Scafati.
Im Vorfeld habe ich mir über die Sinnhaftigkeit der verschiedenen Hospiationen Gedanken gemacht. Ich war zwar vor meinem Lehrerdasein auch 13 Jahre am Theater, hier aber als Dirigent eines Orchesters. Verstehe ich überhaupt, worum es im Ballettbüro geht? Passe ich da hinein? Störe ich nicht mehr als das die Hospitation an kulturellem und geistigen Zufluss einbringt?
Durch die liebenswürdige und offene Art von Tanja – Leiterin und Managerin des Balletts- verflogen meine Zweifel und ich wurde am Künstlereingang sehr herzlich begrüßt.

Die Tatsache, dass das Theater direkt an der gegenüberliegenden Straßenseite meines Gymnasiums, dem Humboldt- Gymnasium Trier, liegt, gab mir neben der netten Bgrüßung auch ein warmes Gefühl. Allerdings wich die Herzlichkeit schnell und ich wurde recht zügig durch das Theater geführt. Später verstand ich, warum plötzlich so viel Nervosität aufkam: Einer der Solotänzer hatte sich gerade beim Aufwärmen verletzt und es war nicht klar, ob er bei der Premiere dabei sein könnte. Roberto Scafati begrüßte mich nur kurz mit einem Lächeln und es begann die Hauptprobe mit Orchester. Auf dem Programm stand Strawinskis „Le Sacre du Prntemps“ mit dem Trierer Generalmusikdirektor am Dirigierpult. Die Ballettmanagerin nahm mich zur Seite und bedeutete mir, dass ich mich jetzt quasi nicht mehr bewegen dürfe, da die Stimmung wegen eines vorausgehenden Streites zwischen Ballettchoreograf und Generalmusikdirektor ziemlich im Argen läge. Ich nahm also neben Tanja im 1. Rang Platz und beobachtete die Probe: Ein Hin und Her an Unterbrechungen, sowohl durch den Choreograf als auch durch den GMD. Da Tanja mich anscheinend fern halten wollte von den entsprechenden Diskussionen, nahm sie mich mit in ihr Büro und erklärte mir den Ablauf einer Produktion von der ersten Idee bis zur letzten Probenwoche. Da die Prmiere anstand, ging sie mit mir die Liste der einzuladenden Kritiker durch und ich musste ihr zusichern, dass ich in meinem Blog nicht über konkrete Namen und Zeitungen schreibe. Diverse Telefonate wurden dementsprechend erledigt, wobei ich bei einigen rausgeschickt wurde. Wieder kamen Zweifel auf, ob diese Hospiation sinnvoll für meinen Studiengang ist oder nicht. Vielleicht hatte ich mir einfach nur die falsche Institution ausgesucht. Ich hätte wissen müssen, dass man im Theater schnell mitschwimmen muss und nicht großartig in irgendwelche Zusammenhänge eingeführt wird. Und dennoch: Allein die Tatsache des „Mitschwimmens“ bringt mich selber auch in eine andere Art des Denkens und des Sehens. Schule als ein Ort der behutsamen Hinführung zu vorher festgelegten Lernzielen trifft hier auf eine Institution, in der man auf Knopfdruck reagieren muss – hier z.B. auf die konkrete Verletzung des Tänzers. Später sollte sich herausstellen, dass der betreffende Solotänzer, dessen Name ich hier auch nicht erwähnen darf, die Premiere tanzen konnte.
Nach einem Dutzend Telefonaten also gingen wir vom Ballettbüro wieder zur Bühnenprobe, bei der sich die Probenstimmung spürbar gebessert hatte. Nach der Probe ging es mit beiden Scafatis erst einmal zum Mittagessen in das benachbarte Café „Asterix“. Am Nachmittag durfte ich im Ballettsaal dabei sein, wo noch einmal der Feinschliff an ausgewählten Figuren stattfand. Mit dabei auch der Ballettmeister, der mit den Tänzerinnen und Tänzern das Aufwärmen leitet und bei den technischen Übungen assistiert. Der Tag ging um 18.00 Uhr zu Ende und ich war, obwohl ich gar nicht mitgearbeitet habe, trotzdem selber erschöpft. Zurückbehalten von diesem Tag am Theater habe ich die Tatsache, wie unterschiedlich die Arbeit an einem künstlerischen Produkt sein kann: Man hat auf der einen Seite den Choreografen, der seinen Ideen freien Lauf lässt, lassen muss. Auf der anderen Seite ist da der Ballettmeister, der für die technische Umsetzung und die Realisierung zuständig ist. Dazwischen die Tänzer, die quasi die „Befehle“ entgegennehmen und ganz konkret körperlich umsetzen müssen. Hier – also bei den Tänzern und dem Ballettmeister- gibt es kein Hinterfragen, kein Umwelzen der Ideen. Es wird einfach umgesetzt. Eine ganz andere Herangehensweise als z.B. in der Schule. Eine spannende Erkenntnis, die mich noch begleiten wird.
Hier noch der Hinweis auf die Produktion. Sehr empfehlenswert! Danke Theater Trier…



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